Neun Fragen an Thade Precht von Knot*Knot

VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?

Precht: Vor ein paar Jahren war ich noch Mitbegründer und Leiter eines Start-up im Musikinstrumentenbereich. Die überall herumliegenden Kabel waren absolut lästig und unschön. Daraus entstand letzten Endes Knot*Knot (www.knot-knot.de), ein Online-Shop für extravagante, handumknüpfte Kabelprodukte nach Kundenkonfiguration. Das Motto: „Kabel bekennen“. Die Ergebnisse: modisch, frech und farbenfroh.

VC Magazin: Wie haben Sie erste Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital(-gebern)?

Precht: Die ersten Monate stemmten wir das Projekt über Eigenfinanzierung. Das Konzept basiert auf Mass Customization on demand und bedurfte daher nur eines geringen Kapitalbedarfs für Material und Lagerung. Mittlerweile trägt sich das Projekt von alleine und der Profit wird in den Ausbau der Marke gesteckt.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?

extrafeiner Strangknoten von Knot*Knot in neongelb Precht: Das Angestelltendasein hat zweifelsohne viele Vorteile, aber der Selbstverwirklichung sind natürlich Grenzen gesetzt. Neben Knot*Knot bin ich zugleich noch als freiberuflicher Produkt- und Grafikdesigner (www.tppd.de) aktiv und möchte die Freiheit und Vielfalt meiner Projekte nicht missen. Das Team von Knot*Knot besteht aus Freunden und Kollegen, die über Provision je nach Auftragslage und Verfügbarkeit die Bestellungen knüpfen. So bewahren wir uns die für das Konzept nötige Flexibilität.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?

Precht: Am erfolgversprechendsten sind Projekte, die im Kern eigene Wünsche bzw. Interessen aufgreifen und dann konsequent unternehmerisch und nicht ideologisch verfolgt werden.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhafte Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?

Precht: Unser früheres Musikinstrumenten-Start-up ist nach rund zwei Jahren denkbar knapp am Ausbleiben einer Folgefinanzierung gescheitert. Damals war das natürlich ein schwerer Schlag, aus heutiger Sicht dagegen bestes Lehrgeld. Wir wollten einfach zu viel erreichen, obwohl wir für ein Projekt dieser Größenordnung noch nicht bereit waren. Dementsprechend ist das Knot*Knot-Konzept vergleichsweise einfach gehalten und zielte auf einen schnellen Markteintritt und frühe Umsatzgenerierung aus.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen hierzulande der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?

Precht: Die Fördermöglichkeiten hierzulande sind vielfältig und vor allem nahbar. Doch auch die beste Gründungsidee wird sehr wahrscheinlich scheitern, wenn nicht Zeit, Ort, Team und Unterstützer stimmen.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?

Precht: Ein direktes Idol nein. Es sind eher einzelne Eigenschaften und Aspekte, die mir bei verschiedenen Unternehmern imponieren.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?

Precht: Das mag jetzt sehr altmodisch klingen, aber ich besitze nach wie vor kein Smartphone. In ein bis zwei Jahren wird auch das wohl anders sein, aber bis dahin genieße ich meine ohnehin schon rar gesäten Stunden ohne Internetzugang. Und es ist ein unsagbar gutes Gefühl zu wissen, dass mein Handy auch nach dem 100. Sturz noch einwandfrei funktioniert! Achtung Neugründer – hinter diesen Sätzen verbirgt sich eine Geschäftsidee 🙂

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?

Precht: Die Produktpalette wird noch deutlich ausgeweitet werden – über die reine Umknüpfung von Kabeln hinausgehend stehen Leuchten und andere Artikel in Planung, die ästhetisch der Marke Knot*Knot zugeordnet sind. Auch der Vertrieb ins europäische Ausland – mit den jeweils unterschiedlichen Kontaktsteckern – ist angedacht.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Torsten Paßmann.

Zum Gesprächspartner
Thade Precht ist freiberuflicher Allround-Designer und Art Director. Nach seinem Produktdesign-Diplom an der Bauhaus-Universität Weimar und Stationen bei Kilodesign in Kopenhagen und Imageholders in London zog es ihn Ende 2008 zur Gründung seines Designbüros TPPD nach Berlin. Parallel dazu war er von 2009 bis 2011 Mitbegründer, Geschäftsführer und Kreativdirektor von Modbird, einem innovationsgetriebenen Start-up für modulare E-Gitarren. Seit Ende 2011 ist er außerdem Gründer und Leiter von Knot*Knot (www.knot-knot.de), einem Designlabel für extravagante, seilumknüpfte Kabelprodukte.