„2024 war für viele Start-ups ein entscheidendes Jahr“

Neujahrsgespräch mit Dr. Philipp Nägelein, Zebra Embassy

Neujahrsgespräch mit Dr. Philipp Nägelein (Zebra Embassy)
Neujahrsgespräch mit Dr. Philipp Nägelein (Zebra Embassy)

Bildnachweis: Zebra Embassy.

Das Jahr 2025 beginnt mit einer Mischung aus Optimismus und Vorsicht. Nach den turbulenten Jahren, die von globalen Krisen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt waren, hoffen viele, dass die Märkte sich stabilisieren und langfristiges Wachstum wieder in den Fokus rückt. Welche Auswirkungen die vergangenen Jahre auf die Branche hatten, welche Entwicklungen in den kommenden Monaten prägend sein werden und welche Perspektiven sich eröffnen, beleuchten Persönlichkeiten aus der deutschen VC- und PE-Szene in unseren Neujahrsgesprächen.

VC Magazin: Zebra Embassy unterstützt bei der Fördermittelvergabe für Start-ups und Scale-ups. Welchen Zulauf haben Sie dieses Jahr seitens der Jungunternehmen verspürt? Mit welchen Herausforderungen bei der Fördermittelvergabe sind die Start-ups konfrontiert gewesen?

Nägelein: 2024 war für viele Start-ups ein entscheidendes Jahr, besonders durch die Zurückhaltung von Venture Capital-Investoren. Laut Startup Monitor nutzten 48,8% der deutschen Start-ups öffentliche Förderprogramme – ein leichter Anstieg gegenüber den Vorjahren. Zebra Embassy verzeichnete starken Zulauf, vor allem von Deeptech-, Life Sciences- und Greentech-Start-ups. Hauptgründe waren schwierige Bedingungen am Kapitalmarkt und das wachsende Bewusstsein für Public-Funding-Vorteile.

Herausforderungen lagen in der Komplexität der Antragsprozesse und der oft unübersichtlichen Förderlandschaft. Viele Start-ups waren überfordert durch spezifische Anforderungen wie detaillierte technische Dokumentation oder lange Bearbeitungszeiten. Ein weiteres Problem war die mangelhafte Digitalisierung: Trotz online ausfüllbarer Anträge erfordern viele Programme weiterhin postalische Einreichungen, was Prozesse verzögert und ineffizient macht.

VC Magazin: Start-ups klagen oft über die belastende Bürokratie. Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf hinsichtlich Fördermittel-Bürokratie?

Nägelein: Der dringendste Handlungsbedarf liegt in der Digitalisierung der Prozesse. Viele Abläufe sind ineffizient, da sie analoge Nachbearbeitung erfordern, obwohl der erste Schritt digital erfolgt. Ein positives Beispiel ist die Forschungszulage, die zwar digital verfügbar ist, aber durch die Prüfung beim Finanzamt verzögert wird.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Standardisierung der Antragsverfahren.
Unterschiedliche Programme erfordern verschiedene Nachweise, was für kleine Teams ohne
Ressourcen belastend ist. Moderne Methoden wie Agile und MVP-Ansätze sollten besser anerkannt werden, da sie die Realität der Start-up-Welt widerspiegeln.

VC Magazin: Deutschland wählt im Februar 2025 eine neue Regierung – es stehen einige Veränderungen an. Was würden Sie der neuen Regierung hinsichtlich Start-up-Förderung gern mit auf den Weg geben wollen?

Nägelein: Erstens muss die Digitalisierung der Förderprozesse oberste Priorität haben. Von der Antragstellung bis zur Abrechnung sollte alles vollständig digital ablaufen. KI-gestützte
Systeme könnten dabei helfen, Standardprüfungen zu automatisieren und Bearbeitungszeiten deutlich zu verkürzen.

Zweitens sollten die Förderkriterien modernisiert werden, um den spezifischen Anforderungen von Technologieunternehmen gerecht zu werden. Dazu gehören die Anerkennung von Wandeldarlehen als Eigenkapital und die Berücksichtigung agiler Entwicklungsmethoden.

Drittens, es braucht mehr zielgerichtete Programme für strategisch wichtige Bereiche wie
Deep-Tech, klimafreundliche Innovationen und Life Sciences. Gerade hier hat Deutschland
die Chance, international wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn es gelingt, passende
Instrumente zur Verfügung zu stellen.

VC Magazin: Was wünschen Sie sich persönlich für das neue Jahr?

Nägelein: Persönlich wünsche ich mir, dass 2025 ein Jahr der Zusammenarbeit und des Zupackens wird. Wir haben im letzten Jahr sowohl in Deutschland als auch weltweit viel Spaltung, Streit und Lethargie erlebt – es wird Zeit, das Ruder herumzureißen. In meiner Arbeit bei Zebra Embassy hoffe ich, noch mehr Start-ups dabei helfen zu können, ihre Ziele zu erreichen und nachhaltiges Wachstum zu sichern. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir als Gesellschaft verstärkt in Zukunftstechnologien und Bildung investieren, um eine Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Innovationen entstehen nicht im Vakuum; sie brauchen ein Ökosystem, das Talente fördert und Mut zur Veränderung belohnt. Insofern heißt es: Ärmel hochkrempeln! Darauf freue ich mich.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch und ein schönes 2025!

Über den Interviewpartner:

Dr. Philipp Nägelein ist Managing Partner bei der Zebra Embassy GmbH, einem 2021 in München ins Leben gerufenen Beratungsunternehmen. Zebra Embassy hat erfolgreich mehr als 250 Startups und Scale-ups unterstützt und dabei ein Fördervolumen von über 100 Millionen Euro mobilisiert. Mit der klaren Vision, nachhaltiges Wachstum, Effizienz und öffentliche Finanzierungsmöglichkeiten zu stärken, setzt sich das Unternehmen entschieden für die Förderung von „Zebra Werten“ ein – und damit für eine nachhaltige und zukunftsfähige Startup-Kultur in Deutschland.