Kluges Handeln kann zu neuem Wachstum führen

Die Folgen von Trumps erneuter Präsidentschaft für das europäische Start-up- und Venture Capital-Ökosystem

Mickaël Bellaïche (Redstone)
Mickaël Bellaïche (Redstone)

Bildnachweis: Redstone.

Mit dem 20. Januar hat Donald Trump erneut das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika übernommen. Seine ersten politischen Initiativen zeigen bereits spürbare Auswirkungen auf die globale Politik und Wirtschaft – und damit auch auf das europäische Start-up- und Venture Capital-Ökosystem.

Das europäische Start-up-Ökosystem florierte während Trumps erster Amtszeit. Das Investitionsvolumen in europäische Start-ups stieg von 18 Mrd. EUR im Jahr 2017 auf ein Rekordhoch von 88 Mrd. EUR anno 2021. Allerdings spielten hierbei auch „trumpunabhängige“ Faktoren eine wesentliche Rolle, etwa die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Digitalisierung.

Neue Herausforderungen und Chancen

Europa sieht sich heute mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert: ein Krieg auf dem eigenen Kontinent, wirtschaftliche Unsicherheiten, zunehmender Nationalismus und eine restriktive Regulierung, die Innovationsfortschritte bremst. Gleichzeitig könnten Trumps politische Entscheidungen neue Chancen für das europäische Start-up- und Venture Capital-Ökosystem schaffen. Drei zentrale Bereiche stehen hierbei im Fokus:

1. Klimatechnologie als Wachstumstreiber

Eine der ersten Maßnahmen Trumps war der (erneute) Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen. Insgesamt scheint der Appetit auf Klimatechnologien bei amerikanischen Investoren gesunken zu sein, insbesondere nach der Insolvenz des schwedischen Batterieherstellers Northvolt, der einst als Hoffnungsträger Europas in der globalen Batteriefertigung galt. Die Klimakrise bleibt jedoch real und kann womöglich nur mithilfe technologischen Fortschritts gelöst werden. Das mangelnde Interesse der USA könnte eine Chance für Europa sein, sich als globale Drehscheibe für nachhaltige Technologien zu positionieren.

2. Verteidigungstechnologie im Aufwind

Trump hat europäische NATO-Staaten dazu gedrängt, ihre Verteidigungsausgaben von mindestens 2% auf 5% des BIP zu erhöhen. Sollte dies umgesetzt werden, würden sich die Verteidigungsbudgets erheblich steigern. Dies könnte auch einen Innovationsschub in Schlüsselbereichen wie Drohnentechnologie, Cybersicherheit und angewandter Künstlicher Intelligenz auslösen. Europa hat hier die Chance, verstärkt in militärische und sogenannte Dual Use-Technologien zu investieren und eine neue Generation von Start-ups zu fördern. Die Zahl an Venture Capital-Investoren, die aktiv nach Investitionsmöglichkeiten in diesem Bereich suchen, scheint in Europa bereits rasant zuzunehmen.

3. Das KI-Wettrennen: Europas letzte Chance?

Kurz nach seiner Amtseinführung kündigte Trump das ehrgeizige „Stargate Project“ an, ein Programm mit einem Investitionsvolumen von 500 Mrd. USD, das die USA als führende Nation im Bereich der Künstlichen Intelligenz etablieren soll. Währenddessen droht Europa, trotz vielversprechender Lösungen wie Mistral und Aleph Alpha, durch Überregulierung,
unzureichendes Kapital, Energieknappheit und fehlenden Mut seine Wettbewerbsfähigkeit im globalen KI-Wettrennen zu verlieren. Der jüngste Durchbruch von DeepSeek, Chinas aktuell fortschrittlichstem KI-Modell, verdeutlicht jedoch, wie dynamisch sich dieses Feld
entwickelt – und dass es für Europa noch nicht zu spät ist. Statt von amerikanischen oder chinesischen Entwicklungen abhängig zu bleiben, muss Europa eine eigene KI-Infrastruktur aufbauen. Zielgerichtete Investitionen in Rechenzentren, Talente und ambitionierte Start-ups könnten das Fundament für eine unabhängige, wettbewerbsfähige und leistungsstarke KI-Landschaft schaffen.

Fazit: Europas Innovationslandschaft neu ausrichten

Trump mag eine Herausforderung für den geopolitischen Status quo sein, doch seine Politik könnte Europa auch neue Chancen bieten. Entscheidend wird sein, wie schnell und entschlossen europäische Entscheidungsträger und Investoren auf die neuen Gegebenheiten reagieren. Wer klug handelt, kann das europäische Start-up- und Venture Capital-Ökosystem in eine Phase neuen Wachstums führen.

Über den Autor:

Mickaël Bellaïche ist Partner bei Redstone, einem europäischen Venture Capital-Fonds. Redstone investiert vorwiegend in Europa, behält dabei jedoch stets globale Trends im Blick. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz zum Beispiel hat Mickaël Bellaïche sowohl in eines der prominentesten KI-Modelle, xAI von Elon Musk mit Sitz in den USA, als auch in zahlreiche innovative europäische Lösungen investiert.